Die höfliche Ausdrucksweise im Englischen (2022)

Der Ton macht die Musik. In jeder Sprache kommt es nicht nur darauf an, was man sagt, sondern auch darauf, wie man es sagt. Dies ist in vielen Situationen bereits in der Muttersprache keine einfache Übung. Und erst recht in einer Fremdsprache ist es eine Wissenschaft für sich, den richtigen Ton zu treffen.

Deutsche Muttersprachler sind aufgrund der eher direkten und präzisen Ausdrucksweise der deutschen Sprache geneigt, auch im Englischen Sachen schnell und direkt beim Namen zu nennen. Dies kann jedoch vor allem bei geschäftlichen Beziehungen zu Irritationen auf Seiten eines native English speakers führen. Denn im Gegensatz zum Deutschen drückt man auf Englisch Sachverhalte häufig sehr indirekt unter Zuhilfenahme äußerst diplomatischer Umschreibungen aus.

Insbesondere bei der Übermittlung von schlechten Nachrichten oder Kritik ist es unerlässlich, auf den richtigen Ton zu achten. Damit ihr in Zukunft im Englischen niemand vor den Kopf stößt und als richtige Ladies und Gentlemen rüberkommt, haben wir ein paar wertvolle Tipps für euch gesammelt. So könnt ihr das Kind beim Namen nennen, bleibt aber trotzdem immer höflich und diplomatisch.Die höfliche Ausdrucksweise im Englischen (1)

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Höfliche Ausdrucksweisen
    • 1.1 Weichspüler („softeners“)
    • 1.2 Widerspruch
    • 1.3 Modalverben
    • 1.4 Umformulierung negativer Sätze
    • 1.5 Formulierung positiver Sätze
    • 1.6 Qualifizierende Adjektive
    • 1.7 Verlaufsform der Vergangenheit
    • 1.8 Negative Frageform
    • 1.9 Passiv
    • 1.10 Weitere Tipps
  • 2 Fazit

Höfliche Ausdrucksweisen

Weichspüler („softeners“)

Die wohl wichtigste Art, etwas auf Englisch höflicher und diplomatischer zu formulieren, ist der Gebrauch sogenannter „Softeners“. Native English speaker setzen diese „Weichspüler“ bei jeder Gelegenheit ein, um einer Aussage die Schärfe zu nehmen. Nehmt z.B. folgenden Satz: „I haven’t finished the presentation“. Die Message kommt dadurch zwar rüber, aber in einem ziemlich rauen Ton. Diesen Satz würdet ihr so nie von einem native speaker hören. Sie/er würde immer eine Formulierung wählen, wie z.B. „I’m afraid, I haven’t finished the presentation“ („Ich fürchte, ich habe die Präsentation nicht fertig gestellt“). Was auf Deutsch ziemlich merkwürdig und altmodisch klingt, ist auf Englisch ganz normaler Sprachgebrauch.

Hier noch ein paar weitere, sehr gebräuchliche Softeners mit Beispielsätzen:

To be honest, I think we need to revise our business plan“

With all due respect, I believe we need a different marketing strategy“

I’m awfully sorry, but I forgot to deal with the customer’s order“

Widerspruch

Eine ebenfalls typische Eigenheit der englischen Sprache ist es, einen Widerspruch (disagreement) sehr höflich zu formulieren. Von einem native English speaker würdet ihr wahrscheinlich nie ein einfaches „I disagree“ hören, sondern immer eine Umschreibung ihres/seines Widerspruch. Sehr häufig erklären nativer speaker dabei zuerst, dass sie die Meinung ihres Gegenübers verstehen bzw. akzeptieren, um dann erst ihre eigene Meinung kund zu tun.

Am einfachsten lässt sich auch dieser Punkt mit einigen typisch englischen Formulierungen verdeutlichen.

„I think we should ask for a 20% discount“ – „I see what you mean, but I think 20% might be a bit too much.“

„I think we should wait until a better opportunity comes along“ – „I agree up to a point, but we might not get another opportunity like this for a while.“

Modalverben

Eine weitere, sehr häufig angewandte Art, Dinge auf Englisch höflich auszudrücken, ist die Verwendung von Modalverben. Den deutschen Satz „Ich benötige mehr Zeit für die Fertigstellung der Präsentation“ solltet ihr nicht mit „I want more time to finish the presentation“ auf Englisch übersetzen. Das würde sich für einen Amerikaner oder Briten sehr harsch anhören. Ein native English speaker würde in dieser Situation vielmehr „I could use more time to finish this presentation“ sagen. Auf Deutsch hört sich das eher nach einer Bitte als nach einer Feststellung an. Trotzdem ist der Inhalt der Aussage in beiden Sprachen ein und derselbe – nur eben höflicher formuliert.

Umformulierung negativer Sätze

Negative Sätze werden auf Englisch häufig umformuliert, um ihnen einen positiveren bzw. unpersönlicheren Klang zu geben. Lasst uns zu unserem Eingangsbeispiel „I’m afraid, I haven’t finished the presentation“ zurückkehren. Um diesen Satz noch diplomatischer zu gestalten, könntet ihr sagen „I’m afraid, I haven’t been able to finish the presentation yet“.

Die Verwendung von „be able to“ verschiebt den Fokus von eurem Misserfolg, die Präsentation fertigzustellen, auf euren Versuch, dies tatsächlich zu schaffen. Diese Formulierung impliziert, dass die Schuld dafür gar nicht bei euch zu suchen ist, sondern eher äußere Umstände dafür verantwortlich sind. Darüber hinaus betont der Zusatz von „yet“, dass ihr noch immer an der Präsentation arbeitet und impliziert somit, dass ihr diese voraussichtlich auch zeitnah fertigstellen werdet.

Wie ihr seht, reichen schon zwei kleine Satzbausteine aus, um einen an sich negativen Inhalt einigermaßen in ein positives Licht zu rücken.

Ein weiterer Tipp in Bezug auf die Umformulierung negativer Sätze ist die Vermeidung von „can’t“ und „won’t“. Diese beiden Wörter geben einem englischen Satz nämlich einen besonders negativen Klang.

Nehmt z.B. den Satz „I can’t give you a better deal than that“. Klingt ggü. einem Kunden ziemlich hart und unfreundlich. Gleich viel besser hört sich der Satz in folgenden Varianten an: „I am unable to give you a better deal than that“ oder „I am not in a position to give you a better deal than that“.

Formulierung positiver Sätze

Eine typische Eigenschaft des Englischen ist die Formulierung eines positiven Satzes in der Verneinung wenn ihr etwas Negatives ausdrücken wollt. Nehmt z.B. den Satz „I am unhappy with this agreement“. Ein native Englisch speaker würde nicht auf die Idee kommen, etwas Negatives in dieser Absolutheit auszudrücken. Vielmehr würde sie/er es deutlich diplomatischer formulieren, indem das negative Eigenschaftswort „unhappy“ durch das positive „happy“ in der Verneinung ersetzt wird. Der Satz würde dann „I am not entirely happy with this agreement“ lauten. Die Kombination von „not happy“ mit „entirely“ klingt deutlich freundlicher als „unhappy“, obwohl es exakt denselben Inhalt ausdrückt.

Ein weiteres häufig in der Praxis benötigtes Beispiel ist die Kommentierung einer Idee oder eines Vorschlags. Bitte sagt auf Englisch niemals „I think it’s a bad idea“. Die Verwendung des negativen Wortes „bad“ würde in den Ohren eines native English speakers äußerst brutal und unhöflich klingen. Die viel schönere Formulierung ist die Verneinung des positiven Adjektivs „good“, also „I don’t think that’s such a good idea“.

Qualifizierende Adjektive

Eine sehr gebräuchliche Art, etwas im Englischen diplomatischer zu formulieren, ist die Verwendung qualifizierender Adjektive, bspw. „a litte, a bit, slight, slightly, small, one or two, quite, really“. Wir wollen das an einem Beispiel verdeutlichen.

Der Satz „We are having problems with our new product“ klingt ziemlich desaströs. Auch wenn er stimmte, würde man das niemals in dieser Negativität auf Englisch ausdrücken, sondern die Aussage durch den Einsatz eines qualifizierenden Adjektivs abschwächen. „We are having one or two problems with the new product“ klingt doch schon deutlich weniger schlimm.

Hier drei weitere Beispiele:

„We might run slightly over budget“ klingt weniger furchterregend als „We will run over budget“. „The marketing campaign is a little bit behind schedule“ klingt weniger schlimm als „The marketing campaign“ is behind schedule. Und „I didn’t quite understand that“ klingt weniger blöd als „I didn’t understand“ that.

Verlaufsform der Vergangenheit

Eine weitere spezielle Möglichkeit, die uns die englische Sprache bietet, Dinge höflich-diplomatisch zu formulieren, ist die Verwendung der Verlaufsform der Vergangenheit (past continous tense). Diese Zeitform existiert im Deutschen nicht, weshalb es eine sprachliche Besonderheit des Englischen darstellt.

Hier ein Beispiel: Der Satz „I hope we can sign the contract today“ klingt im past continous „I was hoping that we could sign the contract today“ gleich wesentlich eleganter und diplomatischer. Er nimmt dem Satz die Direktheit des „I“ und lässt ihn damit unverbindlicher klingen.

Hier zwei weitere Beispiele: „I was thinking we need to hire more employees“ statt „I think we need to hire more employees“. „I was aiming to finish this project by the end of the month“ statt „I aim to finish this projekt by the end of the month“.

Negative Frageform

Eine weitere, in der englischen Sprache sehr häufig verwendete Art der diplomatischen Formulierung ist die sogenannte negative Frageform. Diese wird besonders dann angewendet, wenn man einen Vorschlag machen möchte.

Wie immer lässt sich das am besten an einem Beispielsatz verdeutlichen. Der Satz „We should redesign the company logo“ klingt ziemlich forsch und direkt. Nicht jeder Vorgesetzte würde sich über einen Vorschlag in diesem Ton freuen. Die indirekte Formulierung in der negativen Frageform „Shouldn’t we redesign the company logo?“ klingt gleich viel weniger aggressiv und diplomatischer. Oder „Couldn’t we hire a new advertising agency“ wäre mit „Wouldn’t it be better to hire a new advertising agency“ viel höflicher umschrieben.

Passiv

Zu guter Letzt ist auch das Passiv eine gute Möglichkeit, Dinge diplomatischer auszudrücken. Ein aktiv formulierter Satz klingt häufig zu aggressiv und direkt, weshalb man ihn besonders in Geschäftsangelegenheiten durch eine passive Formulierung ersetzen sollte.

Nehmt den Satz „You have broken my computer“ als Beispiel. Dies ist eine persönliche, auf Konfrontation ausgerichtete Anschuldigung. Der passive Satz „My computer has been broken“ nimmt das Persönliche („you“) aus dem Spiel und setzt den Fokus auf die Aktion („broken“) und das Objekt („computer“), was wesentlich diplomatischer ist.

Hier zwei weitere Beispiele:

„You said you were going to sign the deal today“ klingt nach einer direkten Anschuldigung. Die typisch englische Formulierung „It was understood that you were going to sign the deal today“ klingt im Passiv wesentlich unpersönlicher und damit diplomatischer.

„You agreed to lower your fees“ sollte durch „It was agreed that you were going to lower your fees“ umschrieben werden. Der passive Ausdruck ersetzt das „you“ durch „it“ und erzielt damit die sprachliche Wirkung, dass die niedrigeren Gebühren bereits im beidseitigen Einvernehmen beschlossen wurden.

Weitere Tipps

Die Welt der höflichen Formulierungen ist natürlich sehr groß und wir können euch hier nur einen kleinen Ausschnitt daraus zeigen. Unter den beiden folgenden Links findet ihr deshalb weitere gute Tipps zu diesem Thema:

http://dictionary.cambridge.org/grammar/british-grammar/functions/politeness

https://www.espressoenglish.net/15-phrases-for-speaking-polite-english/

Fazit

Wie ihr seht, gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, Sachen sehr diplomatisch auf Englisch auszudrücken. Vor allem in der Geschäftswelt solltet ihr euch immer vor Augen halten, dass native English speaker (sogar die sehr direkten Amerikaner) auf diplomatische Formulierungen Wert legen. Und ihr solltet dabei nicht den Fehler machen, zu glauben, dass diese „abgeschwächten“ Formulierungen sich gleichermaßen auf den Inhalt übertragen. Dies ist nämlich keineswegs der Fall. Ein diplomatisch formulierter englischer Satz transportiert den gleichen Inhalt wie ein undiplomatischer. Nur eben more gentlemanly.

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Author: Rob Wisoky

Last Updated: 09/03/2022

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